Spektakuläre Ballonflucht aus der DDR von 47 Jahren

aktuell, 16.09.2026

In den frühen Morgenstunden des 16. September 1979 gelang zwei Familien eine der aufsehenerregendsten Fluchten aus der DDR. Mit einem selbstgenähten Heißluftballon überflogen acht Personen – vier Erwachsene und vier Kinder – die schwer bewachte Grenze von Thüringen ins bayerische Oberfranken.

In den frühen Morgenstunden des 16. September 1979 gelang den Familien Strelzyk und Wetzel eine der aufsehenerregendsten Fluchten aus der DDR. Mit einem selbstgenähten Heißluftballon überflogen acht Personen – vier Erwachsene und vier Kinder – die schwer bewachte Grenze von Thüringen ins bayerische Oberfranken.

Die Idee stammte von Günter Wetzel und Peter Strelzyk. Der erfolgreiche Flug war dabei bereits ihr dritter Anlauf, denn ein vorheriger Versuch im Juli 1979 scheiterte nur knapp vor der Grenze im Sperrgebiet, woraufhin die Stasi eine verdeckte Großfahndung einleitete.

Um keinen Verdacht zu erwecken, kauften die Familien Stoffreste aus Nylon und Perlon in kleinen Mengen im ganzen Land zusammen und nähten die riesige Ballonhülle mit rund 4.200 Kubikmetern Volumen heimlich auf einer einfachen Haushaltsnähmaschine. Als Brenner diente eine Eigenkonstruktion aus Propan-Gasflaschen.

Die Navigation in der Dunkelheit war eine enorme Herausforderung, da der Ballon ohne moderne Steuerungssysteme auskommen musste. Die Familien warteten gezielt auf eine Wetterlage mit starkem Nordwind, der sie verlässlich nach Süden treiben sollte. Zur Orientierung dienten ihnen die Lichter am Boden: Während die Grenzregion der DDR weitgehend dunkel blieb, schimmerte das hell erleuchtete Naila in Bayern als Zielpunkt. Die Höhe kontrollierten sie mit einem einfachen Barometer und einem improvisierten Trick – sie warfen Papierschnipsel aus der Gondel, um am Steig- oder Sinkverhalten der Schnipsel die vertikale Bewegung des Ballons abzulesen.

Während der dramatischen Flucht stieg der Ballon auf über 2.000 Meter Höhe auf, wo eisige Temperaturen herrschten. Nach etwa 28 Minuten Flugzeit und rund 25 Kilometern Streckendistanz ging der Brennstoff aus, und die Gondel landete auf einem Feld nahe der oberfränkischen Stadt Naila.

Erst als die Flüchtlinge auf eine bayerische Polizeistreife trafen, hatten sie die endgültige Gewissheit, dass das Wagnis geglückt war. Die Flucht wurde später mehrfach verfilmt, unter anderem 1982 von Disney (Mit dem Wind nach Westen) und 2018 von Michael Herbig (Ballon).

Auch heute, Jahrzehnte nach diesem historischen Ereignis, verzeichnen Ballons eine überraschende Aktualität. Die einfache Technologie erlebt in moderner Form eine Renaissance und wird keineswegs nur für zivile Zwecke genutzt. Im militärischen Bereich kommen hochmoderne Spionage- und Aufklärungsballons zum Einsatz, die in großen Höhen gegnerisches Territorium überwachen oder Radarsysteme testen. Gleichzeitig macht sich die organisierte Kriminalität die unauffällige Flugtechnik zunutze: Immer wieder werden unbemannte Ballons von Drogenschmugglern eingesetzt, um Kokain oder andere Drogen geräuschlos und unterhalb des Radars über Staatsgrenzen hinweg zu transportieren.

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