Neben Taktik und Traumtoren entscheiden bei der Weltmeisterschaft in Nordamerika vor allem zwei Dinge über den reibungslosen Ablauf eines WM-Abends: Architektur und Lage der Stadien.
Dass ein einziges Gewitter in den USA das Zeug dazu hat, ein ganzes Turnierspiel über Stunden lahmzulegen, liegt an den knallharten Sicherheitsregeln – alle Details dazu liest du in unserem Hintergrundartikel zum „Blitz-Gesetz“.
Doch die entscheidende Frage für den Spielplan lautet: Welche Arenen sind dem nordamerikanischen Sommerwetter eigentlich schutzlos ausgeliefert und wer bleibt im Trockenen?
Der große Härtetest der 16 Spielstätten zeigt, wer zittern muss und wer auf Hightech setzt!
Die Spielstätten lassen sich im Hinblick auf das Risiko von wetterbedingten Unterbrechungen oder gar Abbrüchen (durch Gewitter, Starkregen oder tropische Stürme) in drei Kategorien einteilen:
Kategorie 1: Offene Stadien in Unwetter-Hotspots (Höchstes Risiko)
In diesen Stadien wird im nordamerikanischen Hochsommer unter freiem Himmel gespielt. Tropische Feuchtigkeit sorgt hier regelmäßig für heftige, plötzliche "Pop-up-Thunderstorms". Hier drohen bei Unwettern die längsten Zwangspausen:
Miami (Hard Rock Stadium): Liegt mitten in der tropischen Blitz- und Hurrikan-Zone Floridas. Heftige Gewitter am späten Nachmittag sind im Juni/Juli an der Tagesordnung. Da es komplett offen ist, besteht akute Unterbrechungsgefahr.
Boston / Foxborough (Gillette Stadium) & New York / New Jersey (MetLife Stadium): Die US-Ostküste wird im Sommer regelmäßig von heftigen Gewitterzellen (Superzellen) heimgesucht. Beide Stadien besitzen kein Dach.
Kansas City (Arrowhead Stadium): Befindet sich am Rand der berüchtigten "Tornado Alley". Schwüle Luftmassen sorgen hier im Sommer oft für rapide und heftige Unwetterentwicklungen.
Monterrey (Estadio BBVA, Mexiko): Extrem hitze- und gewitteranfällig. Die Arena ist zwar architektonisch spektakulär, aber nach oben offen und anfällig für tropische Starkregen-Zellen.
Kategorie 2: Offene Stadien mit geringerem Gewitter-Risiko
Diese Stadien sind zwar ebenfalls unüberdacht, das klimatische Risiko für schwere Gewitter ist im Sommer jedoch statistisch deutlich geringer:
Los Angeles (Rose Bowl), San Francisco/Santa Clara (Levi’s Stadium), Seattle (Lumen Field): Die US-Westküste und der pazifische Nordwesten sind im Sommer klimatisch sehr stabil, trocken und fast immun gegen die typischen Blitzgewitter des Ostens.
Guadalajara (Estadio Akron) & Mexiko-Stadt (Aztekenstadion): Hier gibt es zwar die typische sommerliche Regenzeit mit Schauern (oft am späten Nachmittag), die Blitzrate ist im Vergleich zur US-Golfküste jedoch geringer. Dennoch besteht bei Starkregen ein Restrisiko für den Rasen.
Toronto (BMO Field) & Philadelphia (Lincoln Financial Field): Moderates Risiko, allerdings vollkommen ungeschützt, falls doch eine Front durchzieht.
Kategorie 3: Die "Wetter-Festungen" (Null Risiko für Spielabbruch)
In diesen Arenen kann Petrus tun, was er will – das Spiel findet statt. Die Stadien sind entweder komplett geschlossen oder verfügen über ein verschließbares Dach, das laut FIFA-Vorgaben bei Unwetterwarnungen vorab geschlossen wird. Zudem sind sie voll klimatisiert, um auch der extremen Hitze zu trotzen:
Dallas / Arlington (AT&T Stadium): Komplett verschließbar. Obwohl Texas im Sommer für extreme Unwetter bekannt ist, bleibt das Spiel drinnen absolut sicher.
Houston (NRG Stadium): Ebenfalls an der gewitter- und hurrikananfälligen Golfküste gelegen, aber dank des schließbaren Dachs komplett wetterunabhängig.
Atlanta (Mercedes-Benz Stadium): Das futuristische, pinwheel-artige Retractable Roof sorgt dafür, dass die berüchtigten Gewitter Georgias draußen bleiben.
Vancouver (BC Place, Kanada): Besitzt das weltweit größte kabelgestützte, schließbare Dach. Zwar ist Vancouver ohnehin nicht für Gewitter bekannt, das Stadion ist aber absolut wetterfest.
Los Angeles/Inglewood (SoFi Stadium): Das teuerste Stadion der Welt ist ein Hybrid. Es ist von einer gigantischen, lichtdurchlässigen Plane dauerhaft überspannt, aber an den Seiten offen. Da es in LA im Sommer so gut wie nie blitzt, ist das Risiko eines Abbruchs hier verschwindend gering.
Fazit für die Fans
Wer Spiele in Miami, New York oder Kansas City verfolgt, sollte im Stadion die Wetter-Apps fest im Blick behalten. Ein plötzlicher Blitz in der Nähe kann aus einem 90-minütigen Fußballspiel ganz schnell ein stundenlanges Geduldsspiel machen.
In Dallas, Houston und Atlanta hingegen regiert der "Hallenfußball" – wettertechnisch die sicherste Bank des Turniers.
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